Webinar-Rückblick: Das nadelscheue Pferd – Praktische und sichere Strategien für die Injektion
In der Pferdewelt ist der Umgang mit nadelscheuen Pferden eine Herausforderung für viele Tierärzte – oft mit großer Frustration und manchmal auch mit persönlichem Risiko. In diesem aufschlussreichen und praxisorientierten Webinar erfahren Sie, Matthew Sinovich, Facharzt für Pferdechirurgie, bietet Anleitungen zu sichereren und einfühlsameren Techniken im Umgang mit nadelscheuen Pferden. Basierend auf seinen eigenen Erfahrungen und unterstützt durch Verhaltenswissenschaften, präsentiert Matthew einen durchdachten, sicherheitsorientierten Ansatz, der sowohl Pferdewohlfahrt und Sicherheit des Hundeführers an vorderster Front.
Eine persönliche Perspektive auf Sicherheit und Risiko
Matthew beginnt mit einer Reflexion über seine eigene Karriere und stellt fest, wie häufig Verletzungen in der Pferdepraxis sind – insbesondere bei unkooperativen Pferden. Er gibt den Ton an, indem er eine entscheidende Wahrheit hervorhebt: kein Verfahren ist es wert, Ihre Sicherheit dafür zu riskierenDieses Thema zieht sich durch das gesamte Webinar, da Matthew für eine Kombination aus Vorbereitung, Geduld und Prävention plädiert.
Aversives Verhalten erkennen und ansprechen
Eines der Kernthemen ist die Verhaltensgrundlage der NadelaversionPferde lernen durch Versuch und Irrtum, und leider können negative Erfahrungen – wie Schmerz oder Angst – schnell dauerhafte Assoziationen hervorrufen. Matthew erklärt die Prinzipien von positive und negative Verstärkung, indem es anschauliche Beispiele wie die Scheu vor Schermaschinen verwendet, um Tierärzten zu helfen, zu verstehen, wie sich Verhaltensweisen verfestigen.
Indem er unsere Denkweise von „Lob vs. Bestrafung“ auf „Hinzufügen vs. Entfernen von Reizen“ ändert, fördert Matthew einen wissenschaftlicheren und humaneren Ansatz bei Training und Umgang.
Kurz- und langfristige Strategien für die Injektion
Matthew skizziert praktische Strategien für den Umgang mit Pferden, die Angst vor Nadeln haben, und unterscheidet dabei zwischen kurzfristigen Interventionen und langfristigen Verhaltenslösungen:
Kurzfristige Lösungen:
Sedierung mittels Alpha-2-Adrenozeptor-Agonisten (z. B. Domosedin)
Körperliche Fixierung (Pranger, Stalltüren oder Einsatz von Injektionsverlängerungen)
Sicherstellung qualifizierter Mitarbeiter und geeigneter persönlicher Schutzausrüstung
Langfristige Lösungen:
Verhaltensänderung und Clicker-Training
Schulung und Konsistenz des Eigentümers
Überweisungen an Verhaltensspezialisten, falls angebracht
Er betont, dass jedes Pferd erfordert eine individuelle Herangehensweiseund dass der Erfolg oft ebenso stark von der Fähigkeiten des Hundeführers ebenso von der verwendeten Methode.
Schutzausrüstung: Ein Kulturwandel in der Pferdepraxis
Ein besonders interessanter Abschnitt des Webinars konzentriert sich auf die zunehmende Akzeptanz von Kopfschutz in der Pferdemedizin. Matthew betont, dass das Tragen von Helmen oder sogar Vollgesichtsschutzschilden mittlerweile von der Muttergesellschaft Partners empfohlen wird und dass dies als sinnvolle, proaktive Maßnahme angesehen werden sollte – nicht als Zeichen von Schwäche oder Unerfahrenheit.
Er zeigt Beispiele für verschiedene Helmtypen und geht auf die Bedenken ein, dass die Ausrüstung Pferde oder Kollegen erschrecken könnte. Dabei versichert er dem Publikum, dass Vertrautheit mit Komfort und Selbstvertrauen einhergeht.
Clickertraining: Von der Angst zum Vertrauen
Matthew bietet einen hervorragenden Überblick über Clicker-Training, und zeigt, wie positive Verstärkung ein wirksames Mittel zur Verhaltensänderung sein kann. Anhand einer realen Fallstudie mit einem Pferd namens Matilda veranschaulicht er, wie konsequentes, belohnungsbasiertes Training Pferden helfen kann, toleranter zu werden – nicht nur gegenüber Nadeln, sondern auch gegenüber gängigen Eingriffen wie dem Anheben der Hufe und dem Scheren.
Wissen, wann man Nein sagt
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Sitzung ist Matthews Erinnerung daran, dass Es ist okay, wegzugehen von einem Eingriff absehen, wenn die Risiken zu hoch sind. Tierärzte müssen ihre Sicherheit, sowohl körperlich als auch geistig, in den Vordergrund stellen. Er schließt das Webinar mit einer eindringlichen Botschaft zur Selbstfürsorge ab und plädiert für offene Gespräche über psychische Gesundheit in der Tierarztpraxis und Tierärzte dazu zu ermutigen, bei Bedarf Unterstützung zu suchen.
Fazit
Das nadelscheue Pferd ist mehr als nur ein Leitfaden für Injektionen – es ist ein Aufruf zu Einfühlungsvermögen, Bildung und Weiterentwicklung in der Pferdepraxis. Egal, ob Sie ein frisch ausgebildeter Tierarzt oder ein erfahrener Pferdeprofi sind, dieses Webinar bietet eine abgerundetes, praktisches Toolkit zur Bewältigung eines der häufigsten und zugleich schwierigsten Probleme in diesem Bereich.